Berufskraftfahrer

Die EU-Richtlinie 2003/59/EG wurde in Deutschland über das Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz (BKrFQG) und die Berufskraftfahrerqualifikationsverordnung (BKrFQV) in nationales Recht umgesetzt und verändert die Fahrersituation europaweit grundlegend!

 

Nachfolgende Beschreibungen gelten für

Busfahrer seit 10.09.2008

und für

LKW-Fahrer (Fzg. über 3,5 t zG.) seit 10.09.2009!

Hinweis:
Auch Fahrer von LKW über 3,5 t zulässige Gesamtmasse, die mit dem alten Führerschein der Klasse 3 fahren, sind davon betroffen!

 

Kurzbeschreibung:
Das BKrFQG mit BKrFQV bringen mit sich, dass alle Fahrer zu gewerblichen Zwecken in der Europäischen Union und im europäischen Wirtschaftsraum ab oben genannten Stichtagen zusätzlich zum Führerschein eine Berufsqualifikation benötigen, die mit regelmäßigen Weiterbildungen ständig verlängert werden muss.

Busfahrer, die vor dem 10.09.2008 den Führerschein der Klasse D oder D1 bzw. LKW-Fahrer die vor dem 10.09.2009 ihren Führerschein der Klasse C, C1 oder BE erteilt bekommen haben, gelten schon als qualifiziert. Diejenigen, die diese Führerscheine ab den Stichtagen erteilt bekamen oder erst bekommen, müssen sich noch durch eine IHK-Prüfung qualifizieren.

Alle Fahrer, egal ob „Altfahrer“ oder „Neufahrer“ sind der Weiterbildungspflicht unterlegen. D.h. sie müssen alle 5 Jahre ab den genannten Stichtagen 35 Stunden zu 60 Minuten Weiterbildung in einem anerkannten Ausbildungsbetrieb nachweisen. Diese 35 Stunden dürfen auf 5 mal 7 Stunden, praktisch 5 Tage zu je 7 Stunden, aufgeteilt werden. Somit ist es möglich, beispielsweise jedes Jahr einen Tag Weiterbildung zu absolvieren. Die damit angesammelten Teilnahmebescheinigungen müssen dann nach 5 Jahren der Verwaltungsbehörde vorgelegt werden, damit die Qualifikation wieder für 5 Jahre verlängert wird. Alle 5 Jahre wiederholt sich diese Prozedur.

Achtung:
„Altfahrer“ von LKWs  dürfen seit spätestens 10.09.2016 bzw. von Bussen seit spätestens 10.09.2015 ohne Weiterbildung beruflich nicht mehr fahren.

D.h. berufliches Fahren mit LKW über 3,5 t zul. Gesamtmasse oder Anhänger über 3,5 t zul. Gesamtmasse oder Kraftomnibusse ist jetzt nur noch mit neuem Kartenführerschein und eingetragener gültigen Qualifikation erlaubt!


Die unterschiedlichen Qualifikationsmöglichkeiten

Neufahrer erhalten die Qualifikation auf 3 verschiedene Arten:

1. Durch eine i.d.R. 3-jährige Lehre in einem anerkannten Ausbildungsbetrieb mit anschließender Facharbeiterprüfung bei der IHK zum Berufskraftfahrer oder zur Fachkraft im Fahrbetrieb, oder durch die
2. Grundqualifikation nach BKrFQG § 4 Abs. 1 Nr. 1, mit einer 4-stündigen Theorieprüfung, und 3,5-stündigen Praxisprüfung bei der IHK ohne Lehrgangspflicht, oder durch die
3. Beschleunigte Grundqualifikation nach BKrFQG § 4 Abs. 2, mit einer nur 90-minütigen Theorieprüfung bei der IHK, nach einem mindestens 140-stündigen (á 60 Minuten) Lehrgang, bei einer anerkannten Fahrschule (z.B. Chiemgauer Verkehrsfachschule – Fahrschule Bauer)

Ausnahmen von der Qualifizierungspflicht
Ausgenommen von der Qualifizierungs- bzw. Weiterbildungspflicht sind Fahrer, deren Haupttätigkeit nicht das Fahren ist. Hier die Ausnahmen nach § 1 Abs. 2 BKrFQG, für Kraftfahrzeuge:

  1. mit einer bbH von max. 45 km/h
  2. der Bundeswehr
  3. der Truppe und des zivilen Gefolges der anderen NATO-Staaten
  4. der Polizeien des Bundes und der Länder
  5. des Zolldienstes
  6. des Zivil- und Katastrophenschutzes
  7. der Feuerwehr
  8. zur Notfallrettung der anerkannten Rettungsdienste
  9. die zur technischen Entwicklung oder zu Reparatur- oder Wartungszwecken oder zur technischen Untersuchung Prüfungen unterzogen werden
  10. die von den Sachverständigen oder Prüfern im Sinne des Kraftfahrzeugsachverständigengesetzes zu Prüfungs-zwecken eingesetzt werden
  11. die neu oder umgebaut und noch nicht in Betrieb genommen worden sind
  12. zur Beförderung von Material oder Ausrüstung, die der Fahrer zur Ausübung des Berufs verwendet, sofern es sich beim Führen des Kfz nicht um die Hauptbeschäftigung handelt. Z. B. ein Maurer, der zum Verputzen eines Hauses sein Gerüst zur Arbeitsstelle transportieren muss.

Grundsätzlich sind jene Fahrer qualifikationspflichtig, die ihren Führerschein nicht rein privat nutzen. Zudem muss eine Beförderungsleistung erfolgen.
Reine Arbeitsleistung erfüllt nicht den Beförderungszweck. So wird bei Fahrten mit selbstfahrenden Arbeitsmaschinen in der Regel keine Grundqualifikation bzw. Weiterbildungen benötigt. Genauso wird der Transport eigener landwirtschaftlicher Erzeugnissen durch den Landwirt befreit sein. Fällt ein Fahrer in die Rubrik der nichtgewerblichen Nutzung, ist er zwar von der Grundqualifikation und den Weiterbildungen befreit, muss aber bedenken, dass seine Tätigkeit auf diese Nutzung beschränkt bleibt. Für die Richtigkeit der hier genannten Ausnahmen übernehmen wir keinerlei Gewähr. Letztendlich entscheidet immer der Gesetzgeber, wer Ausnahmen in Anspruch nehmen kann.

Die Pflicht der Weiterbildung
Wie schon oben angemerkt, können Fahrer die 35 Stunden á 60 Minuten in mehrere Abschnitte zu 7 Stunden aufteilen und in einem 5-Jahres-Zeitraum beliebig absolvieren. Ein Abschnitt zu 7 Stunden entsprechen praktisch einem Tag.
Empfehlenswert erscheint hier, dass man jedes Jahr einen Weiterbildungstag besucht. So ist man immer auf den aktuellsten Stand, was Neuerungen betrifft. Zudem ist der momentane finanzielle und zeitliche Aufwand nicht so groß.

Rechtzeitig (Empfehlung: 4 – 8 Wochen) vor dem Ablaufdatum Ihrer Qualifikation müssen Sie Ihre 35 Weiterbildungsstunden angesammelt und die Teilnahmebescheinigungen bei der Führerscheinstelle vorgelegt haben, um einen neuen Kartenführerschein mit dem aktualisiertem Eintrag 95 (+ Ablaufdatum) zu erhalten. Das Ablaufdatum finden Sie auf der Rückseite Ihres Führerscheins in der Spalte 12 in der Zeile C/C1 oder D/D1 hinter der der Zahl 95. Diese Zahl 95 im Kartenführerschein dokumentiert eine vorhandene Qualifikation. Fehlt diese, sind Sie nicht qualifiziert.

Die Kosten
Die Lehrgangskosten können ausschließlich für meine Fahrschule angegeben werden und finden Sie detailliert in der Beschreibung zu den Lehrgängen oben links.

Für Unternehmer, die ihre Fahrer in eigenen Räumlichkeiten weiterbilden lassen wollen, können Sonderpreise ausgehandelt werden.

Bitte erkundigen Sie sich persönlich bei uns, um die zum Teil erheblichen Vergünstigungen zu erfahren.

Beispiele für Eintragungen im Führerschein:

Führerscheinrückseite mit gültiger
Qualifikation bis 24.06.21
Führerscheinrückseite mit
abgelaufener Qualifikation
bis 24.06.16
Führerscheinrückseite ohne
Qualifikation

Copyright: Chiemgauer Verkehrsfachschule – Fahrschule Bauer in Grassau